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Chondropathia patellae: Schmerzende Kniescheibe

Veröffentlicht: 12. 05. 2025

Autor: Dr. med. Ivan Galić, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Die Chondropathia patellae, auch bekannt als patellofemorales Schmerzsyndrom, ist eine der häufigsten Ursachen für vorderen Knieschmerz bei sportlich aktiven und weniger aktiven Personen. Sie beschreibt eine Schädigung bzw. Erweichung des Knorpels an der Rückseite der Kniescheibe (Kniescheibe Knorpelschaden), ohne dass der darunterliegende Knochen betroffen ist. Typische Symptome sind Kniescheibe Schmerzen beim Treppensteigen, Laufen oder längerem Sitzen mit gebeugtem Knie.

In diesem Beitrag erfahren Sie alles Wichtige über Ursachen, Symptome, Diagnose und moderne Therapiemöglichkeiten der Chondropathia patellae.

Knie Aufbau – Grundlage zum Verständnis der Chondropathia patellae

Um die Problematik der Chondropathia patellae und des patellofemoralen Schmerzsyndroms besser zu verstehen, ist ein kurzer Überblick über den Aufbau des Knies hilfreich.

Das Knie ist ein komplexes Gelenk, das den Oberschenkelknochen (Femur) mit dem Unterschenkel verbindet, welcher aus zwei Knochen besteht – der Tibia (Schienbein) und der Fibula (Wadenbein). Am unteren Ende des Oberschenkelknochens verläuft in der Mitte eine längsgerichtete Vertiefung, die sogenannte Femurtrochlea, über die die Kniescheibe (Patella) gleitet. Diese Verbindung wird als femoropatellares Gelenk bezeichnet.

Die Kniescheibe (Patella)

Die Patella (Kniescheibe) ist ein dreieckiger Knochen, der sich vor dem Kniegelenk befindet und in die Sehne des großen Oberschenkelmuskels (Quadrizeps) eingebettet ist. Bei Bewegungen wie Gehen, Laufen oder Treppensteigen gleitet die Kniescheibe in der Vertiefung des Oberschenkelknochens auf und ab.

Oben ist die Patella über die Quadrizepssehne mit dem Oberschenkel verbunden, unten über das Patellaband (Ligamentum patellae) mit der Tibia (Schienbein). Die Hauptaufgabe der Kniescheibe besteht darin, als Umlenkrolle für den Quadrizepsmuskel zu dienen und so die Kniestreckung (Extension) zu unterstützen.

Zahlreiche Bänder und Weichteilstrukturen stabilisieren die Kniescheibe und sorgen dafür, dass sie korrekt in der Trochlea des Femurs gleitet. Die Unterseite der Patella sowie die Gleitfläche der Femurtrochlea sind mit glattem Gelenkknorpel überzogen, der für reibungsfreie Bewegungen sorgt. Bei einer Chondropathia patellae kommt es genau hier zu einem Knorpelschaden der Kniescheibe (Kniescheibe Knorpelschaden).

Was ist Chondropathia patellae?

Chondropathia patellae bezeichnet das fortschreitende Erweichen und die Schädigung des Knorpels unterhalb der Kniescheibe (Patella). Dies kann zu unterschiedlich starken Schäden am Knorpel führen. Faktoren wie Überlastung des Knies oder eine falsche Position der Kniescheibe während der Bewegung können ein verstärktes „Reiben“ und somit die Schädigung des Knorpels verursachen.

Dieser Prozess führt häufig zu einer Verringerung der Knorpeldicke, Rissen im Knorpel und im schwereren Verlauf auch zum Abbrechen kleiner Knorpelstücke. Bei länger anhaltenden und schweren Knorpelschäden kann sich eine Arthrose (Gelenkverschleiß) im femoro-patellaren Gelenk entwickeln.

Stadien der Chondropathia patellae – Patellofemorales Schmerzsyndrom und Knorpelschaden der Kniescheibe

Es gibt verschiedene Skalen zur Einstufung des Schweregrades der Chondropathia patellae, wobei die Klassifikation nach Outerbridge am häufigsten verwendet wird.

  • Chondropathia patellae Grad 0 – Normale Knorpelstruktur: Die Knorpelschicht unter der Patella ist intakt und zeigt keine Auffälligkeiten.
  • Chondropathia patellae Grad 1 – Abnormes Knorpelsignal im MRT, keine sichtbaren Schäden: Im Magnetresonanztomogramm (MRT) zeigt der Knorpel veränderte Signale, jedoch ohne erkennbare Knorpelschäden.
  • Chondropathia patellae Grad 2 – Abschälung der Knorpeloberfläche oder fokale Schäden: Oberflächliche Schädigungen oder kleine Defekte, die weniger als 50 % der Knorpeldicke betreffen.
  • Chondropathia patellae Grad 3 – Schäden an mehr als 50 % der Knorpeldicke, ohne Knochenödem: Tiefergehende Schäden, die die Mehrzahl der Knorpelschicht betreffen, jedoch ohne Knochenbeteiligung.
  • Chondropathia patellae Grad 4 – Vollständiger Knorpelschaden mit Knochenödem: Der Knorpel ist komplett bis zum Knochen durchdrungen, häufig begleitet von Knochenödemen.

Bei wem tritt die Chondropathia patellae am häufigsten auf?

Die Chondropathia patellae ist eine der häufigsten Ursachen für vordere Knieschmerzen in der klinischen Praxis. Am häufigsten tritt sie bei Jugendlichen sowie bei Erwachsenen im zweiten und dritten Lebensjahrzehnt auf. Besonders betroffen sind körperlich aktive Personen. Darüber hinaus ist die Erkrankung bei Frauen etwa doppelt so häufig wie bei Männern (Verhältnis 2:1).

Symptome bei Chondropathia patellae

Das häufigste Symptom der Chondropathia patellae ist ein vorderer Knieschmerz, der sich insbesondere bei Belastungen wie Kniebeugen, Laufen, längerem Sitzen (z. B. im Kino) oder beim Treppensteigen verstärkt. Einige Patienten berichten zudem über ein Gefühl von Steifheit im Knie nach längerem Sitzen.

Der Schmerz ist meist nicht genau lokalisiert und wird diffus hinter oder rund um die Kniescheibe (Patella) wahrgenommen. Typisch für die Chondropathia patellae ist ein dumpfer, tiefer Schmerz, der in bestimmten Bewegungen auch stechend auftreten kann. In frühen Stadien ist eine Schwellung des Knies selten. In manchen Fällen kann es jedoch zu einer Schwäche oder sogar zu einer leichten Atrophie des Quadrizepsmuskels kommen. Die Beschwerden können einseitig oder beidseitig auftreten und sich entweder allmählich oder plötzlich entwickeln.

Viele Patienten berichten über ein hörbares Knacken, Knistern oder Reiben im Kniegelenk (Kniescheibe Knorpelschaden) bei Bewegung. Dieses Geräusch ist jedoch in der Regel harmlos: Es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen solchen Geräuschen und dem Ausmaß der Schmerzen oder der Funktion des Knies. Viele Menschen haben „laute Knie“, ohne Beschwerden oder funktionelle Einschränkungen.

In fortgeschrittenen Stadien der Chondropathia patellae oder bei bereits bestehender Arthrose können die Schmerzen dauerhaft vorhanden sein und gehen häufig mit einer Schwellung des Knies einher.

Warum entsteht eine Chondropathia patellae?

In der Fachwelt besteht kein eindeutiger Konsens über eine einzelne, klare Ursache der Chondropathia patellae. Vielmehr geht man davon aus, dass mehrere Faktoren zur Entstehung dieses schmerzhaften Zustands beitragen.

Es wurden vier Hauptfaktoren identifiziert, die die Entwicklung des sogenannten „Läuferknies“ (Patellofemorales Schmerzsyndrom) begünstigen können:

  1. Fehlstellung oder Fehlbildung der unteren Extremitäten und/oder der Patella
    – z. B. X-Beine (Genu valgum), Patelladysplasie oder abnorme Kniescheibenstellung.
  2. Muskuläre Dysbalance oder erhöhte Muskelspannung der unteren Extremität
    – insbesondere eine Schwäche des M. vastus medialis oder eine Verkürzung der ischiokruralen Muskulatur.
  3. Übermäßige körperliche Belastung bzw. Überbeanspruchung
    – z. B. durch intensives Lauftraining, Sprungbelastungen oder häufiges Treppensteigen.
  4. Traumatische Einflüsse
    – direkte Verletzungen oder Prellungen der Kniescheibe, die den Knorpel schädigen können.

Überlastung oder übermäßige körperliche Aktivität

Von allen genannten Ursachen gilt die Überlastung als der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung der Chondropathia patellae (Patellofemorales Schmerzsyndrom, Kniescheibe Knorpelschaden). Aktivitäten, die den vorderen Teil des Knies stark belasten, sind unter anderem Laufen, Wandern, Treppensteigen und Kniebeugen. Auch Sportarten wie Radfahren können Knieschmerzen verursachen – insbesondere bei Berg- oder Gebirgsfahrten oder bei Nutzung hoher Gänge.

Eine Überlastung tritt besonders dann auf, wenn die Belastung zu lange, zu häufig oder mit zu hoher Intensität erfolgt oder wenn der Trainingsumfang zu schnell gesteigert wird. Studien zeigen, dass vorderer Knieschmerz häufig bei Anfängern, Wettkampfläufern und Langstreckenläufern auftritt.

Fehlstellung der unteren Extremitäten und/oder der Patella sowie muskuläre Dysbalance

Die Funktion des femoropatellaren Gelenks hängt von einer komplexen Interaktion statischer und dynamischer Strukturen ab, die den gesamten unteren Bewegungsapparat betreffen, während die Kniescheibe (Patella) in ihrer Rinne im Oberschenkelknochen gleitet.

Normalerweise zieht der Musculus quadriceps die Patella in einer geraden Linie auf und ab über das distale Ende des Femurs. Bei Patienten mit Chondropathia patellae gleitet die Patella jedoch oft vermehrt nach lateral (zur Außenseite des Knies). Es wird angenommen, dass dieses fehlerhafte Gleitverhalten – das sogenannte Patella Maltracking – bei einer Vielzahl von Patienten maßgeblich zur Entstehung der Beschwerden beiträgt.

Dieses Abweichen von der normalen Bewegungsbahn führt dazu, dass die Knorpeloberfläche der Patella am Femur „reibt“. Dies wiederum kann Knorpelschäden an der Kniescheibe (Kniescheibe Knorpelschaden), chronische Entzündungen und Schmerzen verursachen.

Es gibt mehrere Gründe, warum es zu einem gestörten Gleitverhalten der Patella kommen kann. Zu den häufigsten Ursachen zählen:

Trochleadysplasie

Ein Faktor, der zu einem fehlerhaften Gleitverhalten der Patella führen kann, ist eine anatomische Veränderung der Gleitrinne (Trochlea), die häufig zu flach oder unzureichend ausgeprägt ist. Diese Fehlbildung wird als Trochleadysplasie des Femurs bezeichnet.

In solchen Fällen bietet die Trochlea der Kniescheibe (Patella) keinen ausreichenden Halt, was das Risiko für ein Patella Maltracking sowie für die Entwicklung einer Chondropathia patellae (Kniescheibe Knorpelschaden) deutlich erhöht.

Muskuläre Dysbalance

Es ist bekannt, dass ein Ungleichgewicht der Muskelkraft in den unteren Extremitäten zu einem fehlerhaften Gleitverhalten der Patella (Patella Maltracking) und zur Entwicklung einer Chondropathia patellae führen kann. Dabei hat sich gezeigt, dass die Muskulatur der Hüfte einen größeren Einfluss auf diese Problematik hat als die reine Oberschenkelmuskulatur.

Eine unzureichende Kraft des Musculus vastus medialis – insbesondere seines schrägen Anteils (VMO) – kann das Gleitverhalten der Kniescheibe (Patella) beim Beugen und Strecken des Kniegelenks beeinträchtigen.

Noch wichtiger für die Funktion des patellofemoralen Gelenks sind jedoch die Hüftmuskeln, insbesondere die Abduktoren der Hüfte (Musculus gluteus medius und Musculus gluteus minimus). Diese Muskeln stabilisieren das Becken bei der Einbeinstandphase. Studien zeigen, dass Personen mit schwacher Abduktorenmuskulatur beim Kniebeugen zu einer vermehrten Innenrotation des Oberschenkels neigen – das Knie „kippt“ dabei nach innen (Valgusstellung). Dadurch entsteht eine seitlich ziehende Kraft auf die Patella, die ein fehlerhaftes Gleiten in der Trochlea femoris begünstigt.

Übermäßige Aktivität und Verkürzung der hinteren Oberschenkelmuskulatur (Hamstrings)

Ein weiterer möglicher Mechanismus bei der Entstehung der Chondropathia patellae ist die übermäßige Aktivität sowie die Verkürzung der hinteren Oberschenkelmuskulatur (Hamstrings). Übermäßig gespannte und aktive Hamstrings sowie die Wadenmuskulatur erhöhen die Kompression im patellofemoralen Gelenk bei Belastung. Dies führt zu einer Reizung und möglichen Schädigung des Gelenkknorpels, insbesondere wenn ein Ungleichgewicht zwischen der Kraft der vorderen Oberschenkelmuskulatur (Quadrizeps) und der hinteren Muskelgruppe (Hamstrings) besteht.

Übermäßige Spannung des Tractus iliotibialis (Iliotibialband)

Der Tractus iliotibialis ist eine bindegewebige Struktur, die von der Außenseite der Hüfte entlang der Oberschenkelaußenseite bis zum äußeren Knie verläuft. Über Bindegewebsfasern ist sie mit dem äußeren Anteil der Patella (Kniescheibe) verbunden. Bei übermäßiger Spannung des Iliotibialbandes kommt es ebenfalls zum sogenannten „Zugphänomen“ der Patella nach außen während der Kniebewegung, was zu einer Reizung des patellofemoralen Gelenks führen kann. Eine erhöhte Spannung des Iliotibialbandes wird häufig bei Läufern beobachtet, insbesondere bei falscher Lauftechnik. Bei Läufern kann neben der Chondropathia patellae auch ein Iliotibialband-Syndrom auftreten.

Trauma

Traumatische Ereignisse, insbesondere ein direkter Schlag auf die Vorderseite des Knies und die Patella, können zu Schädigungen der Strukturen des patellofemoralen Gelenks und zur Entwicklung einer Chondropathia patellae führen.

Diagnosestellung

Die Diagnose der Chondropathia patellae wird anhand der typischen Symptome und der klinischen Untersuchung gestellt. Zusätzliche diagnostische Maßnahmen sind meist nicht erforderlich, können jedoch angezeigt sein, wenn die konservative Behandlung nach 1–2 Monaten erfolglos bleibt, um andere Ursachen für vorderen Knieschmerz auszuschließen, wie z. B. bipartite Patella, verdeckte Patellafrakturen, freie Gelenkkörper oder Arthrose. Arthrose ist bei Personen unter 40 Jahren sehr selten. Vor Abschluss der Pubertät können wachstumsbedingte Probleme Knieschmerzen verursachen.

Eine Röntgenaufnahme des Knies ist selten notwendig, da die auf den Bildern beschriebenen Veränderungen oft nur schwach mit den Beschwerden der Patienten korrelieren. Mit der Röntgenuntersuchung kann der Zustand des Knorpels nicht beurteilt werden; sie zeigt lediglich Veränderungen, die im Rahmen einer Arthrose auftreten. Die Magnetresonanztomographie (MRT) ist die bevorzugte Methode zur Beurteilung des Knorpelzustands im Kniegelenk, wird jedoch bei der Diagnose der Chondropathia patellae selten benötigt.

Andere Erkrankungen, die das patellofemorale Schmerzsyndrom imitieren können

Verschiedene pathologische Zustände, die das patellofemorale Schmerzsyndrom (Chondropathia patellae) imitieren können:

  • Patellofemorale Osteoarthritis
  • Osgood-Schlatter-Krankheit
  • Plica-Syndrom
  • Präpatellarbursitis
  • Reizung des Hoffa-Fettpolsters
  • Saphenus-Neuritis
  • Tendinopathie des Quadrizeps
  • Patellasehnen-Tendinopathie („Springerknie“)
  • Übertragene Schmerzen von der Hüfte oder dem Rücken

Aufgrund der breiten Differenzialdiagnose ist eine gründliche Anamnese und körperliche Untersuchung entscheidend, um Risikofaktoren zu erkennen und eine effektive Behandlung einzuleiten.

Wie wird Chondropathia patellae behandelt?

Die Therapie des patellofemoralen Schmerzsyndroms ist in der Regel konservativ und zielt darauf ab, Schmerzen zu lindern, die Gleitbahn der Kniescheibe (Patella) im Gleitlager (Trochlea) zu verbessern und die Rückkehr zum vorherigen Aktivitätsniveau zu ermöglichen. Eine operative Behandlung ist nur selten notwendig. Knorpelschäden sind irreversibel – einmal beschädigter Knorpel kann sich nicht mehr regenerieren. Das Ziel der Behandlung besteht darin, eine weitere Schädigung des Knorpels zu verhindern.

Die Behandlung kann in zwei Phasen unterteilt werden:

  • Akute Phase
  • Rehabilitationsphase

Akute Phase – Knie Entlastung

In der akuten Phase steht die Anpassung der körperlichen Aktivität im Vordergrund. Das bedeutet, dass körperlich oder sportlich aktive Personen die Intensität und Häufigkeit ihrer Aktivitäten reduzieren oder diese vorübergehend vollständig einstellen sollten, um dem Kniegelenk die notwendige Erholung zu ermöglichen.

Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente (NSAR) haben sich in dieser Phase als wirksam erwiesen. Lokale Präparate wie Salben und Gele mit analgetischer Wirkung weisen weniger Nebenwirkungen auf als oral eingenommene Medikamente. Analgetika sind jedoch nicht für den langfristigen Gebrauch vorgesehen. Es ist falsch, Schmerzmittel einzunehmen, um weiterhin die vorherige Aktivitätsintensität beizubehalten – dies kann den Heilungsprozess des Knies verzögern oder verschlechtern.

Rehabilitationsphase bei Patellahondromalazie – Therapie und Übungen

Übungen gegen Patellahondromalazie – Schmerzreduktion und Stabilität

Nach der akuten Behandlungsphase und der Schmerzlinderung im Knie folgt die Erholungsphase, in der das Ziel darin besteht, die wahrscheinlich zur Entstehung der Erkrankung führenden Ursachen zu beseitigen. Eine Kombination aus Übungen für Knie und Hüfte zur Kräftigung der Oberschenkel- und Beckenmuskulatur sowie zur Verbesserung der Beweglichkeit und Funktion der unteren Extremitäten ist die effektivste Maßnahme.

Die Übungen bei Patellachondromalazie umfassen die Kräftigung der Quadrizeps- und Hamstringmuskulatur sowie Dehnübungen für die Hamstrings. Bei den Hüftmuskeln liegt der Schwerpunkt auf der Stärkung der Abduktoren und Extensoren der Hüfte. Die Übungen zielen darauf ab, die Stabilität zu verbessern und die Belastung des Knorpels im Knie zu reduzieren. Die Therapie sollte individuell auf den Patienten abgestimmt und auf die Korrektur der bestehenden Dysfunktion ausgerichtet sein.

Übungen bei Chondropathia patellae (patellofemorales Schmerzsyndrom) – effektive Übungen zur Schmerzlinderung und Kräftigung der Kniegelenkmuskulatur

Kinesiotaping für das Knie

Die Anwendung spezieller Klebestreifen am Knie, bekannt als Kinesiotaping, hat sich als effektive Methode zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung erwiesen. Kinesiotaping zielt darauf ab, den Gleitweg der Kniescheibe in der Trochlea des Femurs zu verbessern und das seitliche Verrutschen der Patella zu reduzieren. Die Kombination von Kinesiotaping mit gezielten Übungen ist wirksamer als reine Übungen ohne Tapenanwendung.

Kinesiotape-Anwendung am Knie zur Unterstützung der Patella und Linderung von patellofemoralem Schmerzsyndrom (Chondropathia patellae)
Kinesiotaping für das Knie (freepik)

Knieorthese – Unterstützung und Stabilität für das Kniegelenk

Eine Knieorthese hilft dabei, Schmerzen und Druck im Knie zu reduzieren, indem sie Stabilität bietet und die richtige Führung der Kniescheibe unterstützt. Sie vermindert die Reibung zwischen der Kniescheibe und den umliegenden Strukturen und erleichtert so alltägliche Aktivitäten. Die Knieorthese kann sowohl bei täglichen als auch bei sportlichen Freizeitaktivitäten verwendet werden.

Eine Überweisung des Patienten zum Chirurgen ist in der Regel nicht erforderlich und gilt als letzte Behandlungsoption. Die konservative, nichtoperative Therapie sollte über einen Zeitraum von 24 Monaten angewendet werden, bevor eine operative Behandlung in Betracht gezogen wird.

Was erwartet mich bei der Diagnose Chondropathia patellae?

Die Prognose der Chondropathia patellae (patellofemorales Schmerzsyndrom) ist gut, und die meisten Patienten schaffen es, ihre Symptome innerhalb weniger Wochen bis Monate unter Kontrolle zu bringen.

Bei etwa 40 % der Betroffenen halten die Kniescheibe Schmerzen jedoch länger als ein Jahr an und treten immer wieder auf.

Eine unerwünschte Folge einer chronischen Chondropathia patellae ist die Entwicklung einer Patellofemoralen Arthrose durch das fehlerhafte Gleiten der Kniescheibe, was zu chronischen Schmerzen führen kann. Einige Patienten müssen daher dauerhaft auf Aktivitäten verzichten, die zuvor schmerzbedingt belastend waren.

Chondropathia patellae: 6 wichtigste Fakten

  1. Die Chondropathia patellae ist eine der häufigsten Ursachen für Knieschmerzen.
  2. Sie wird auch als patellofemorales Schmerzsyndrom oder „Runner’s Knee“ bezeichnet.
  3. Hauptsymptom ist Schmerz, der sich bei Aktivität und längerem Sitzen mit gebeugtem Knie verschlimmert.
  4. Die Hauptursache ist eine Überlastung des Knies, z. B. durch Laufen, Wandern, Treppensteigen oder Kniebeugen.
  5. Eine weitere wichtige Ursache ist das abnormale Gleiten der Kniescheibe (Patella).
  6. Die Behandlung besteht aus Aktivitätsanpassung und gezielten Übungen zur Kräftigung der Hüft- und Oberschenkelmuskulatur sowie zur Korrektur von Muskelungleichgewichten.

Empfehlungen bei Chondropathia patellae – effektive Tipps zur Behandlung und Vorbeugung

Es kann sehr frustrierend sein, wenn man Aktivitäten, die man früher genossen hat, nicht mehr in gewohntem Umfang ausüben kann. Menschen mit Gelenkschmerzen müssen oft akzeptieren, dass selbst erfahrene Ärzte nicht immer die genaue Ursache der Schmerzen finden können. Die Behandlung kann langwierig sein, daher ist es wichtig, aktiv am Genesungsprozess mitzuwirken.

Das Beste, was Sie tun können, ist eine positive Einstellung zu bewahren und sich auf bewährte Therapien zu konzentrieren. Wenn Sie Ihre Lieblingsaktivität aufgeben müssen, sollten Sie alternative, schmerzarme Sportarten in Betracht ziehen, wie beispielsweise Radfahren mit geringer Belastung, Aqua-Jogging oder Schwimmen. Wenn Sie Symptome des patellofemoralen Schmerzsyndroms bemerken, vermeiden Sie den Fehler, hohe Schmerzmittel-Dosen einzunehmen, nur um aktiv zu bleiben. Reduzieren Sie stattdessen Ihre Aktivität und suchen Sie ärztliche Hilfe auf.

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der autor

Ivan Galić, Dr. med.

Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin, FEBPRM

Ivan Galić, Dr. med., Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, schloss seine Facharztausbildung im Jahr 2020 ab. Im selben Jahr legte er die Prüfung vor dem Ausschuss für Physikalische Medizin und Rehabilitation der Europäischen Union ab und erhielt den Titel FEBPRM („Fellow of the European Board of Physical and Rehabilitation Medicine“).
Er zeigt besonderes Interesse an der Diagnostik, Rehabilitation und Behandlung von schmerzhaften Beschwerden des Bewegungsapparates, insbesondere im Bereich des Knies und der Schulter, Gelenkdegenerationen, Tendinopathien sowie Schmerzsyndromen der Wirbelsäule.
Zu den diagnostischen Methoden, die er anwendet, gehört der diagnostische Ultraschall des Bewegungsapparates. In der Behandlung nutzt er unter anderem ultraschallgesteuerte Injektionen in Sehnen und Gelenke, die Anwendung von Hyaluronsäure, das Ausspülen von Kalkablagerungen aus der Schulter sowie viele weitere Verfahren.

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Dr. med. Ivan Galić, Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Ivan Galić, MD, ist Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation. Seine Facharztausbildung schloss er im Jahr 2020 ab. Zudem erhielt er den Titel Fellow des European Board of Physical and Rehabilitation Medicine (FEBPRM). Seine Expertise umfasst die Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen des Bewegungsapparates, wobei er sich besonders auf Knie- und Schulterbeschwerden, Gelenkdegeneration, Tendinopathien sowie Wirbelsäulenschmerzen spezialisiert hat. Er verwendet die muskuloskelettale Ultraschalldiagnostik und führt ultraschallgestützte Injektionen, Hyaluronsäure-Therapien sowie Lavage-Behandlungen bei Kalkablagerungen durch.

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